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Schmutziges Geschäft! 75 % der Putzfrauen arbeiten schwarz

Sozialabgaben? Unfallversicherung? Kaum jemand will für eine saubere Wohnung mehr investieren als den Lohn der Putzfrau.

Die Schwarzarbeit ist nicht zu stoppen. Auch nicht durch millionenschwere Werbefeldzüge.

 

Drei von vier Haushaltshilfen in der Schweiz arbeiten illegal. Das ergab eine Hochrechnung von Adrian Gsell. Der Geschäftsführer der Putzfrauenagentur AG in Fehraltorf ZH kommt auf 100'000 Hausangestellte, die hierzulande schwarz arbeiten. Die 3,5 Millionen teure Kampagne des Bundes gegen Schwarzarbeit habe nichts gebracht.

 

Seit der Einführung des Bundesgesetzes gegen die Schwarzarbeit (BGSA) Anfang 2008 gilt: Wer Haushaltshilfen beschäftigt, gilt als Arbeitgeber und ist verpflichtet, Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen. Zudem müssen die Hausdienstangestellte gegen Unfall versichert werden. Zugleich wurde die Administration vereinfacht. Wer eine Putzfrau anstellt, muss sich nur noch bei der kantonalen Ausgleichskasse registrieren lassen.

 

In den Monaten nach Einführung der Regelung überboten sich die Kantone mit Erfolgsmeldungen über neu registrierte Hausangestellte. Nach 2008 aber pendelten sich die Anmeldungen wieder auf dem alten Niveau ein, so Andreas Dummermuth, Geschäftsleiter der Ausgleichskasse Schwyz. Auch im Kanton Zürich freute sich die Ausgleichskasse anfänglich über 6500 neue Anmeldungen. Inzwischen sind es nur noch halb so viele.

 

Das neue Gesetz und die millionenschwere Kampagne holte kaum Hauspersonal in die Legalität. Das zeigt auch die Bilanz der Unfallversicherer. Sie erlebten nur 2008 einen Boom. Damals verkaufte die Axa Winterthur rund 4500 Policen für Haushaltshilfen mehr als zuvor. Danach ging die Zahl wieder auf das Niveau der Vorjahre zurück, wie eine Sprecherin der Versicherung sagt.

 

Nicht einmal das Staatssekretariat für Wirtschaft(Seco) kann belegen, dass seine Offensive die Schwarzarbeit verringerte. Es weist zwar darauf hin, dass die Anmeldungen für das vereinfachte Abrechnungsverfahren deutlich gestiegen seien. Ob aber total mehr Hausangestellte angemeldet wurden, weiss man beim Seco nicht.

 

Das neue Gesetz hat es zwar administrativ einfacher gemacht, eine Putzfrau legal zu beschäftigen. Den Druck auf die fehlbaren Arbeitgeber aber hat es nicht erhöht – daran änderte auch die teure «Sensibilisierungskampagne» nichts. Die Ämter gehen nur auf Hinweise Dritter gegen sie vor.

 

Adrian Gsell von der Putzfrauenagentur fordert nun einen Steuerabzug für Haushaltsunterstützung. Damit würden die meisten Haushalte ihre Putzfrau anmelden – Schwarzarbeit würde eliminiert. Die Gewerkschaft Unia dagegen glaubt, das Problem lasse sich nur lösen, wenn man die vielen Sans-Papiers legalisiere – die seien ja förmlich zur Schwarzarbeit gezwungen.

 

Autorin: Claudia Gnehm

 

pdf sonntagsblick 15.05.2011 203.59 Kb

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